Letzter Blick in historische Keller

Dienstag, 15.November.2016

Anlagen der Dombrauerei in Nordhausen werden verfüllt


Das Gros der unterirdischen Kühlräume bleibt erhalten, soll bis Jahresende aber stabilisiert werden, damit die Caritas neues Altenheim bauen kann

 

Nordhausen | Ausgetreten sind die 25 Sandsteinstufen, die hinabführen: 9,50 Meter unter dem wüsten Land zwischen Bäcker-, Dom- und Kranichstraße mitten in Nordhausens Altstadt erstrecken sich große Keller, 22 an der Zahl, manche übereinander. Sie nehmen etwa die Hälfte der Gesamtfläche ein, gehörten zur früheren Dombrauerei. Einer soll im Mittelalter entstanden sein, die Mehrzahl im 19. Jahrhundert.

 

22 Keller der Ex-Dombrauerei in Nordhausen noch einmal geöffnet

Bilder von der Begehung der 22 Keller der ehemaligen Dombrauerei am Montag, 14. November 2016, zwischen Bäcker-, Dom- und Kranichstraße in der Altstadt von Nordhausen.

Hinter dicken Mauern aus Gips- und Anhydritsteinen wurde Bier in Fässern gelagert, gab es auch einen Eiskeller – elektrische Kühltechnik kam erst später auf.

"Verblüffend ist, wie es damals geschafft wurde, bei enger Bebauung neun Meter hohe Keller zu bauen, ohne Verbau, ohne Spuntwände", sagt Holm Jentsch. Der Architekt und Bauingenieur ist – neben den Experten von IHU Leimbach – der Planer dieser ungewöhnlichen Baustelle. Gestern gewährte er einen letzten Einblick in einige der denkmalgeschützten Keller.

 

Drei Keller werden saniert und öffentlich zugänglich

Schon heute rollen die Lkw des Urbacher Unternehmens Henning Bau an, bringen tonnenweise Spezialmaterial, "Dämmer" genannt, um das Gros der 22 Keller bis möglichst zum Jahresende zu verfüllen. Im Gegensatz zu herkömmlichem Beton kommen solche Zuschlagstoffe zum Einsatz, die das Ausfüllen aller Hohlräume ermöglicht. Zudem verträgt sich der Spezialbaustoff mit dem Gips und Anhydrit der Kellermauern, erklärt Holm Jentsch. "Es ist eine Konservierung im Stück, wie in der Archäologie."

Zugleich aber wird Stabilität geschaffen für das Bauprojekt der Caritas: Entlang der Kranich- und der Domstraße soll ab nächstem Frühjahr einen dreigeschossiger Komplex gegenüber des Altenheims entstehen (wir berichteten). Neben einem Wohngemeinschafts-Haus für Ältere gehört ein öffentlicher, generationenübergreifender Quartierstreff mit Begegnungszentrum sowie ein Wohngruppenbereich für 12 Senioren dazu. Der Bauantrag für das 5,2-Millionen-Euro-Projekt liegt seit einigen Tagen im Rathaus vor. Eröffnung soll im Jahr 2018 sein.

Die Kellerverfüllung und der Abbruch einzelner kleinerer Keller kostet die Caritas weitere 500 000 Euro, wobei es Städtebaufördermittel gibt, von denen die Stadt zehn Prozent gibt. Die drei besterhaltenen Keller – sie liegen etwa in der Mitte der Brache – sollen der Öffentlichkeit mit der Eröffnung des Neubaus zugänglich gemacht werden. Das Mauerwerk ist zu sanieren, eventuell sind Anker und Vernadelungen zu setzen. Die Stadt hofft auf Fördermittel des Denkmalschutzes. Zu möglichen Kosten konnte gestern auch Oberbürgermeister Klaus Zeh (CDU) noch nichts sagen.

Über eine Spindeltreppe im früheren Aufzugsschacht sollen Interessierte die etwa zehn Meter tief gelegenen Keller begehen können, beispielsweise am Tag des offenen Denkmals. Für Veranstaltungen seien die unterirdischen Räume mangels Belüftung und Fluchtwegen nicht geeignet, erklärt Jentsch.

 

Stadt plant auch Erschließungsstraße

Über den Kellern ist ein kleiner öffentlicher Park vorgesehen. Im Rathaus gibt es darüber hinaus Pläne für eine von der Kranichstraße abzweigende Erschließungsstraße des Areals und einige Anwohnerparkplätze. "Vielleicht können wir das 2018 bauen", sagt Mario Manolow vom Amt für Stadtentwicklung und Zukunftsfragen.

 

Thüringer Allgemeine | http://nordhausen.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/leben/detail/-/specific/Letzter-Blick-in-historische-Keller-Anlagen-der-Dombrauerei-in-Nordhausen-werde-1814776365